Warum es langfristig teurer ist, RFID nicht zu implementieren

Weltweit setzen viele führende Unternehmen und Einzelhändler jetzt auf RFID-Technologie. Dennoch zaudern einige und stellen sich die Frage: „Was bringt mir RFID?“ Manche fragen sich zurzeit, ob es sinnvoll ist, mit RFID weiterzumachen.

Insbesondere in unsicheren Zeiten wie diesen müssen sich Retailer um eine Reihe anderer Projekte in ihrem Unternehmen kümmern. Gleichzeitig gibt es eine lange Wunschliste von Projekten, die sie anstoßen wollen. Könnte Ihr bisheriger Verzicht auf RFID an einem der unten aufgeführten Gründe liegen? Dann geht es bestimmt nicht nur Ihnen so.

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Wie Sie mit Ihren Kunden Schritt halten können

Corona hat den Online-Einkauf wesentlich vorangebracht, etwa vier bis fünf Jahre. Einzelhändler setzen darauf, ihren Kunden im Geschäft ein neues Einkaufserlebnis zu bieten, und reagieren mit der umfassenden Einführung von Omnichannel-Services. In diesem Zusammenhang ist ihnen bewusst, dass sie die Genauigkeit der Bestandsdateien erhöhen müssen, da in Zeiten schlanker Lagerbestände jeder einzelne Artikel zählt. Ein aussagekräftiger Überblick über die Bestände in den Filialen und innerhalb der gesamten Lieferkette ist die Basis für die ständige Verfügbarkeit der Waren – sowohl physisch (im Store) als auch digital (online).

Warum sich Einzelhändler mit der RFID-Einführung zurückhalten

Bei näherer Betrachtung der tatsächliche RFID-Akzeptanz im Einzelhandel fällt auf, dass es große Unterschiede gibt. Im Rahmen einer Studie von Kurt Salmon, Teil von Accenture Strategy, wurden im Jahr 2018 weltweit 110 Führungskräfte aus der Einzelhandelsbranche befragt. Das Ergebnis: In Nordamerika liegt die Akzeptanz in Nordamerika bei 92 %, in Europa hingegen nur bei 30 %.

Abbildung 1 – Quelle: Accenture Strategy, Transforming Modern Retail, 2018
Abbildung 1 – Quelle: Accenture Strategy, Transforming Modern Retail, 2018

Natürlich geht die Einführung von RFID in Unternehmen mit Veränderungen einher und diese wiederum mit Aufwand, Reibungen und Investitionen. Doch es ist branchenweit erwiesen, dass die Technologie spürbare Vorteile bringt. Und dennoch zögert so mancher Einzelhändler mit der Einführung von RFID. Typischer Argumente lauten:

RFID-Roadmap festlegen

RFID kann sich schnell zu einer komplexen Angelegenheit entwickeln. Daher sollten Sie klein anfangen, pragmatisch vorgehen und Ihr Konzept mit der Zeit klug weiterentwickeln. Sobald Sie die Grundlagen für eine genaue Bestandsdatei geschaffen haben, können Sie Ihre RFID-Roadmap und die einzelnen Etappen planen. RFID ist eine strategische Entscheidung, auf deren Basis Sie andere Investitionen nutzen und schließlich weitere Erkenntnisse gewinnen können.

Eine genauere Bestandsverfolgung trägt zur Umsatzsteigerung bei, denn Mitarbeiter und Kunden können dadurch jeden Artikel bis zur letzten vorrätigen Einheit finden.

Dick Johnson, CEO von Foot Locker

Üblicherweise nehmen Einzelhändler ein- oder zweimal jährlich eine Prüfung ihrer Bestände vor. Schon vom ersten Tag nach der Prüfung an nimmt die Genauigkeit der Bestandsdatei dann bis zum nächsten Prüftermin ab. Die internen Teams können sich schon weitergehend mit RFID im Einzelhandel befassen, da diese Aufgaben bereits regelmäßig durchgeführt werden. Ein Retailer kann – ausgehend von einer einfachen und zielgerichteten Herangehensweise – RFID gemeinsam mit einem überschaubaren Team unter der Leitung eines Projektmanagers einführen. Mit Unterstützung durch einen geeigneten RFID-Partner lässt sich ein Business Case erstellen, der letztlich als Vorlage für die zukünftige Ausrichtung dient.

RFID-Nutzennachweis – ein Zahlenspiel

Für Einzelhändler, die über den Sinn von RFID in ihrem Unternehmen nachgedacht haben, war ein zielgerichteter Business Case die Entscheidungsgrundlage. Dabei haben sie das eingesetzte Kapital mit den Vorteilen ausgewählter Anwendungsszenarien verglichen. Worin zeigt sich bei der RFID-Erkundung eine höhere Genauigkeit der Bestandsdateien? Höhere Genauigkeit führt zu einer höheren Produktverfügbarkeit, was wiederum zu einem höheren Umsatz führt. Umsatzsteigerungen gehen darauf zurück, dass den Einzelhändlern ein wesentlich besseres Größenspektrum bei allen vertretenen Stilen zur Verfügung steht. Auf Basis verschiedener Wirksamkeitsnachweise bei globalen Retailern erkennen wir in der Tabelle unten die folgenden Trends in puncto Genauigkeit und Umsatzwachstum.

Genauigkeit zu BeginnRFID-Genauigkeit in %Umsatzzuwachs in %
durchschn. 74 %durchschn. 98,5 %1,4 % bis 10,4 %

Für Einzelhändler ohne RFID ist es eine Herausforderung, die Genauigkeit der Bestandsdateien laufend sicherzustellen. Durch Diebstahl, fehlerhafte Lieferungen zum und vom Distributionszentrum, Prozessmängel und falsche Etikettierung häufen sich die Ungenauigkeiten. Bei Einzelhändlern, die ohne RFID arbeiten, sind die Bestandsdateien meist ausgerechnet dann am ungenauesten, wenn sie am dringendsten benötigt werden (in der umsatzstärksten Zeit). Dieser Mangel wird dann häufig direkt nach der Bestandsprüfung im neuen Jahr beseitigt, wenn die Konsumausgaben in der Regel sinken.

Beim Blick auf die immer vorrätigen Artikel fällt auf, dass sich diese wesentlich stärker auf den Umsatz auswirken, wenn mithilfe von RFID häufiger aufgefüllt wird. Wer RFID in der umsatzstärksten Zeit einsetzt, kann Unstimmigkeiten schnell beheben und seinen Kunden in der wichtigsten Phase eine vollständige Produktpalette bieten.

Bestandsungenauigkeiten verursachen (mindestens) doppelte Kosten

Die Kosten durch ungenaue Bestandsdaten häufen sich mit der Zeit an, da es immer häufiger zu Fehlbeständen und Auftragsstornos kommt. Dadurch entgeht den Händlern letztlich Umsatz. Noch gravierender schlägt zu Buche, dass sich Kunden möglicherweise enttäuscht abwenden. Nach Angaben von Einzelhändlern, die RFID für ihr Bestandsmanagement einsetzen, geht eine um 3 bis 4 Prozent höhere Genauigkeit der Bestandsdateien mit einer 1-prozentigen Umsatzsteigerung einher. Wenn Sie diese Zahlen im Zusammenhang mit den Retailern betrachten, die in der umsatzstärksten Zeit ohne RFID arbeiten, wirkt sich die geringere Genauigkeit noch negativer auf das genutzte Umsatzpotenzial aus.

RFID und Omnichannel-Bereitschaft

RFID ist der Schlüssel zu Omnichannel-Services. Ein besserer Überblick über den Bestand ist die Basis für die Einführung von Omnichannel-Services wie Click & Collect, Click & Reserve oder Ship from Store. In jüngster Zeit ist ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der RFID-Einführung und den Auswirkungen der Technologie auf die Omnichannel-Strategien der Einzelhändler festzustellen. Retailern ohne RFID entgehen zahlreiche Vorteile:

RFID wird entscheidend zur Schaffung eines vollständig vernetzten Marktplatzes für Produkte von NIKE beitragen – in unseren eigenen Stores ebenso wie bei unseren strategischen Partnern.

Matthew Friend, Executive Vice President und Chief Financial Officer bei Nike

Upstream-Vorteile bei Lieferketten im Einzelhandel

Im Endeffekt ist RFID auch für den Upstream-Bereich geeignet. Der offensichtliche Vorteil im Distributionszentrum besteht darin, dass Sie mit RFID-Etiketten die ein- und ausgehenden Artikel effizient scannen können. An Franchisegeber und andere Partner ausgehende Waren – insbesondere im Großhandel – lassen sich beispielsweise verfolgen, falls sie nicht über den grauen Markt gehandelt werden. Kurz gesagt: Sie können einen EPC, den Sie an einem nicht zugelassenen Ort finden, bis zu dem Akteur zurückverfolgen, an den Sie ihn verkauft haben. Noch besser ist aber, dass Sie Waren direkt vom Hersteller über Ihren Großhandelskanal beziehen können. So sparen Sie sich die Logistikkosten, die bei einer Lieferung an Ihr Distributionszentrum anfallen.

Doch von den umfassenderen Lieferkettendaten profitieren auch die Kunden. Durch Herkunftsprüfungen können sie sich anhand von RFID-Verfolgungsdaten über die Quelle, die Echtheit, die Materialien und den gesamten Lebenszyklus eines Produkts informieren.

Stärkere Kundenbindung durch unkomplizierte Produktverfügbarkeit

Mit RFID können Einzelhändler ihre Lieferkette vollständig überblicken und erkennen, welche Produkte sie in ihren Stores vorrätig haben und wo genau sich diese Produkte befinden. So sorgen sie dafür, dass in den Verkaufsräumen alle Größen für ihre Kunden vorrätig sind.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ohne RFID müssen Einzelhändler weiterhin mit ungenauen Bestandsdateien arbeiten. Der „Preis der Ungenauigkeit“ macht sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar. Und dabei handelt es sich nur um die ersten Verluste und Nachteile, die durch den Verzicht auf RFID entstehen. Sobald RFID ein fester Bestandteil des Geschäftsbetriebs ist, kommen schnell weitere Vorteile zum Tragen – sei es in der Lieferkette oder durch ein überzeugendes Angebot an zusätzlichen Kundenservices.

Abschlussbemerkung: Im Rahmen dieses Blogs habe ich mit meinen Kollegen Adam Sheppard, Maarten Verbeek und Nick Markwell zusammengearbeitet, die mich mit ihren wertvollen Erkenntnissen aus Kundenprojekten der letzten Jahre unterstützt haben. Wir haben uns gefragt, warum immer noch einige Einzelhändler mit der RFID-Einführung zögern und ob wir die Kosten für die dadurch entgangenen Umsatzchancen quantitativ ermitteln können.

Tom Vieweger
Business Developer
Tom Vieweger