Waren (digital) erhältlich machen

Vier Schlüsselkriterien, mit denen Sie die richtigen Stakeholder für eine erfolgreiche RFID-Implementierung finden

Von Tom Vieweger

Um RFID im Einzelhandel zu implementieren, sind Verantwortung und Einsatz unumgänglich. RFID-Projekte sind nicht mehr im Besitz von nur einem Stakeholder oder einer Abteilung und damit in einem Silo eingesperrt. Die Shopping-Welt ändert sich schnell, und die internen Stakeholder der Einzelhandelsunternehmen ebenfalls.

Vor Kurzem haben wir im Rahmen der NRF 2021: Retailʼs Big Show - Chapter One, dem weltweit größten Event für Technologien im Einzelhandel, eine Diskussionsrunde zum Thema RFID moderiert. Wir haben erfahrene Projektmanager zusammengebracht, die an großen PFID-Implementierungen beteiligt waren (hier ansehen). Sie haben über ihre Vision und Best Practices gesprochen.

Eine Publikumsfrage hat mir dabei zu denken gegeben. „Wer sind bei einer RFID-Implementierung im Einzelhandel die Stakeholder?“ Meine Antwort wäre eigentlich gewesen: „Natürlich Retail Ops, Logistik und IT.“ Dann ist mir aber aufgefallen, dass sich die Zusammensetzung der Projekt-Stakeholder in der Zwischenzeit geändert hat. Was sind also die neuen Charakteristika der RFID-Projekte, die dazu geführt haben? Und welche Stakeholder sind an einem solchen Programm beteiligt? 

Stores in Zeiten der „neuen Normalität“

Retailer verwandeln sich gerade in digitale Omnichannel-Unternehmen. Im Kontext der Coronamaßnahmen wurde die Implementierung digitaler Elemente beschleunigt. Diese Entwicklungen haben vielen Retail-Unternehmen ein neues Bewusstsein verschafft. Verbraucher haben sich längst an das virtuelle Shopping gewöhnt, und auch Retailer verlassen sich immer mehr auf digitale Elemente. Die beschleunigte Implementierung von Omnichannel-Services führt zur Entstehung neuer Shopping-Verhaltensweisen, die wahrscheinlich einen bleibenden Einfluss mit sich bringen.  

Die Pandemie hat die Verlagerung von physischen Stores zu digitalem Shopping um ungefähr fünf Jahre beschleunigt.

IBM, US Retail Index

 Gute Beispiele für diese Entwicklung sind Marken wie Lululemon, Nike und L’Oréal (weitere Informationen). Sie alle gehen von einer Symbiose aus Online- und Offline-Handel aus. Und um die Herausforderungen anzugehen, die durch diese Veränderungen entstehen, brauchen Retailer zwei essenzielle Wegbereiter: die richtigen Daten und smarte Tools und Systeme. 

Durch RFID können wir von jedem Punkt in unserem Netzwerk aus auf Produkte zugreifen, nicht nur über unsere Betriebsbestände, sondern auch aus Stores und über Händlerintegrationen.

Calvin McDonald – CEO von Lululemon

Motoren und Leistungsversprechen der RFID-Implementierung im Laufe der Jahre

Die größten Motoren für die RFID-Implementierung im Einzelhandel haben sich innerhalb der letzten Jahre geändert. Alles begann mit der Veröffentlichung des EPC-Gen2-Standards im Jahr 2008. Als der Electronic Product Code (EPC) entwickelt und die Kommunikation über das „Air Interface“ als Standard etabliert wurde, ergaben sich technologische Vorzüge wie Massen- und Distanzerfassung von Artikeln: 

Schlüsselkriterien zur Ermittlung von Stakeholdern in Ihrem Unternehmen

Wie andere Großprojekte brauchen auch RFID-Projekte in Retail-Unternehmen einen Projektverantwortlichen. Dies ist üblicherweise eine Person oder eine Abteilung, die die Vorteile der Technologie versteht. Der Projektverantwortliche übernimmt die Führung beim Recherchieren von Anwendungsszenarien und Lieferanten. Außerdem beginnt er einen Versuch zur Validierung des Anwendungsszenarios.  

Es mag zwar offensichtlich klingen, doch es ist unerlässlich, sich auf die wichtigsten Beziehungen zu konzentrieren, wenn es darum geht, gleichgesinnte Stakeholder im Unternehmen zu finden. Denn wenn Sie jeden in Ihrem Unternehmen involvieren, wird die Liste sehr schnell viel zu lang. Das wäre ein potenzieller Alptraum. Wie erstellen Sie also eine kürzere, schlüssigere Liste?  

 Ein guter Ausgangspunkt sind die folgenden Fragen zu den potenziellen Kandidaten. Diese Fragen helfen Ihnen dabei, Energie und Ressourcen Ihrer Abteilung in die richtigen Beziehungen und Aktivitäten zu investieren.Die Fragen und Beispiele entstammen meiner jahrelangen Erfahrung in der Zusammenarbeit mit zahlreichen Retail-Unternehmen. 

  1. Hat der Stakeholder einen fundamentalen Einfluss auf die Performance Ihres Unternehmens? (Erforderliche Antwort: Ja) 
  2. Können Sie genau formulieren, was Sie vom Stakeholder erwarten? (Erforderliche Antwort: Ja) 
  3. Können Sie RFID auch ohne den Stakeholder implementieren oder den Stakeholder einfach ersetzen? (Erforderliche Antwort: Nein) 
  4. Ist der Stakeholder ein „Auslöser“ oder ein potenzieller „Sponsor“? 

 Es ist wichtig zu bestimmen, wer als Auslöser und wer als Sponsor funktioniert. Denn die verschiedenen Arten von Stakeholdern erfordern unterschiedliche Herangehensweisen. Überlegen Sie, ob die Abteilung, die an Ihrem Projekt teilnehmen soll, direkt von RFID profitiert oder mit zusätzlicher Arbeit konfrontiert wird. Es hilft, potenzielle Stakeholder in zwei Gruppen einzuteilen, um so Ihre lange Liste etwas zu verkürzen. Sie können so die Effizienz und die Auswirkungen Ihrer Arbeit verbessern und die Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe erfüllen. 

Funktionsübergreifende Zusammenarbeit mit Stakeholdern

Zu Beginn dieser neuen Ära für den Einzelhandel stellen wir eine Verlagerung der Prioritäten fest. Es liegt ein deutlicher Fokus auf Omnichannel-Services und den damit verbundenen Tools und Fähigkeiten wie Bestandstransparenz, Auftragsmanagement und mobile Anwendungen. Einzelhandelsunternehmen verstehen darüber hinaus auch, dass sie mehr funktionsübergreifende Zusammenarbeit brauchen, da  

  1. keine Abteilung für alles alleine verantwortlich sein kann.  
  2. RFID zukünftig viele weitere Vorteile für andere Abteilungen bereitstellen kann und  
  3. es Stakeholdern so viel leichter fällt, die Unternehmensleitung vom Projekt zu überzeugen. 

Aufgrund unserer Erfahrung mit verschiedenen Retailern habe ich unterschiedliche Szenarien wahrnehmen können, die wie zuvor erwähnt die typischen Silos aufbrechen. Aus diesen Bereichen stammen die Stakeholder: 

Das übergeordnete Ziel: Waren (digital) erhältlich machen

In den letzten Jahren und insbesondere während der coronabedingten Lockdowns wurden immer mehr Omnichannel-Konzepte umgesetzt. Einzelhändler und Marken berücksichtigen bei der Erfüllung des Omnichannel-Versprechens immer mehr den wichtigen Faktor der Bestandstransparenz. Diese Entwicklung hat große Auswirkungen auf die Rolle der Stores. Der Bestand im Store wird dazu eingesetzt, die gestiegene Online-Nachfrage zu erfüllen, und Kunden wollen im Store nur schnell etwas abholen, was sie online bestellt haben. 

RFID ist da das perfekte Tool – es liefert gleichzeitig eine Echtzeit-Übersicht über den Bestand und nutzt Ihr Store-Vertriebsnetzwerk als Mini-Fulfilment-Center. Der Erfolg der Implementierung hängt vom funktionsübergreifenden Einsatz der Stakeholder ab. So ist es eine gemeinschaftliche Leistung, und es profitiert mehr als nur eine Abteilung davon.  Und das ganze Einzelhandelsunternehmen wird positiv beeinflusst. 

Tom Vieweger
Business Developer
Tom Vieweger